Koordination, Kooperation, Kollaboration

Kollaboration vs. Kooperation

In einem aktuellen Projekt wurde die Frage aufgeworfen, was Kollaboration überhaupt sei und wie Unternehmen dadurch profitieren können. Als Einführung in das Thema habe ich mir eine kleine Story ausgedacht, welche ich nachfolgend mit Euch teilen möchte. Über Kommentare und Anregungen freue ich mich ganz besonders.

Kooperation und Kollaboration

Einleitend möchte ich mein Verständnis von Kollaboration kurz erläutern. Sie ist eine Art der Zusammenarbeit, welche die gemeinsame Teilung und Konstruktion von Wissen in Teams fokussiert. Sie erweitert die aus dem 3K-Modell bekannte Kooperation daher um dieses Attribut (siehe Abbildung).

Kooperation ist die folglich koordinierte Interaktion zwischen Akteuren, welche gemeinsames Material zur Erreichung komplementärer Ziele verwenden. Ein wichtiger Faktor der kooperativen Interaktion ist das Bestehen von Vertrauen zwischen den Akteuren. Im Gegensatz zur Kooperation stellt die Kollaboration die gemeinsame Wissensteilung und –konstruktion der am Prozess beteiligten Akteure in den Vordergrund. Meist erfolgt diese durch die Arbeit an einem gemeinsamen Werk, beispielsweise einem Produkt oder einem Prozess.

Kooperativer und kollaborativer Reifenentwicklungsprozess im Rennsport

Stakeholder Interessen
Reifenhersteller Sichere Reifen, schnelle Rundenzeiten
Regulatorische Instanzen (FIA) Anzahl der Überholmanöver steigern, Unfallrate senken
Rennteams Sportlicher Erfolg, kalkulierbare Reifen

Die Partner im Reifenentwicklungsprozess sind Reifenhersteller und Rennteams. Diese müssen regulatorische Vorgaben einer sportlichen Behörde (der FIA) beim Reifenentwicklungsprozess berücksichtigen. Als Vorgabe zählt, dass ein Reifen im Normalfall so degradiert, dass mit ihm ein Drittel der Renndistanz zu bewältigen ist.

Kooperative Reifenentwicklung

Aufbauend auf der vorhandenen Expertise entwickelt der Reifenhersteller verschiedene Reifenmischungen, welche er den Rennteams zur Evaluation zur Verfügung stellt.

Jedes Rennteam verfügt über individuelle Fahrzeugkonstruktionen, welche sich in einer unterschiedlichen Performance und unterschiedlichem Verschleiß der Reifen niederschlagen. Auch lässt sich eine Konstruktion bezüglich Reifenperformance unterschiedlich konfigurieren (beispielsweise in unterschiedlichem Radsturz, Dämpfung, Fahrzeuggewicht, etc…).

Die Rennteams werden nun die Ihnen zur Verfügung gestellten Reifen testen und ihre Erfahrungen dem Reifenhersteller mitteilen. Dieser versucht die entwickelte Mischung dann solange zu testen und zu verbessern, bis keine Entwicklungszeit mehr zur Verfügung steht. Aufbauend auf den Erkenntnissen der Tests wird die eine finale Reifenkonstruktion vom Hersteller entwickelt und den Rennteams zur Verfügung gestellt.

Die nun gefundene Reifenmischung kann einigen Rennteams eine bessere Performance als anderen ermöglichen, auch die Interessen der Sportbehörde können für unterschiedliche Fahrzeugkonfigurationen mehr oder weniger gut gewahrt sein.

Kollaborative Reifenentwicklung

Anders als im rein kooperativen Fall, teilen Reifenhersteller und Rennteams ihre Testdaten miteinander. Jeder Akteur hat Einblick in Test- und Entwicklungsdaten aller anderen Akteure.

Somit können Fehlentwicklungen frühzeitig erkannt und diesen vorgebeugt werden. Ist die Performance einer Reifenmischung für ein Team besonders gut, für alle anderen Teams jedoch eher schlecht, so kann das Team frühzeitig davon ausgehen, dass diese Reifenspezifikation wohl eher nicht weiterentwickelt wird. Es kann sich bei der Fahrzeugentwicklung also besser auf die Optimierung der Performance für andere Reifentypen konzentrieren.

Der kollaborative Entwicklungsprozess führt also zur Entwicklung einer Reifenspezifikation, welche für alle Beteiligten optimale Ergebnisse liefert. Rennteams agieren unter geringerem Risiko, Interessen der Sportbehörde können früher in die Entwicklung der Reifen einfließen.

Fazit

Während der kooperative Entwicklungsprozess ein höheres Risiko für die Teams bedeutet, ermöglicht er individuelle Spitzen- und Fehlleistungen. Der Kollaborationsprozess führt eher zu einem globalen Optimum bei der Reifenentwicklung. Könnte sich im Sinne des Sports für Fans (welche bewusst nicht als Stakeholder definiert wurden) jedoch als weniger spannend herausstellen.

Was meint ihr? Lässt sich das Beispiel so auf wirtschaftlich kooperierende Unternehmen übertragen?

Literatur

  • Hansen, M. T. (2009). Collaboration. Boston: Harvard Business School Publishing.
  • Herrmann, T. (2001). Kommunikation und Kooperation. In G. Schwabe, CSCW-Kompendium (S. 15-25). Berlin: Springer.
  • Kempf, D. (2013). Wissensmanagement über Informationssysteme. Diplomarbeit. Braunschweig: Technische Universität.

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