EPK-Dokumentation eines Geschäftsprozesses

Was sind eigentlich Geschäftsprozesse?

Geschäftsprozesse in Unternehmen existieren unabhängig davon ob sie modelliert wurden oder nicht. Es sind geschäftliche Abläufe die entweder der direkten betrieblichen Leistungserstellung dienen, oder diese zumindest unterstützen (z.B. durch Bereitstellung von Materialien, Personal, etc…). Man unterscheidet demnach zwischen Kernprozessen, welche der direkten Leistungserstellung eines Unternehmens dienen, sowie unterstützenden Prozessen, welche die Durchführung der Kernprozesse überhaupt erst ermöglichen bzw. deren Ausführung begünstigen.

Zur besseren Verdeutlichung möchte ich den Geschäftsprozess „Abendessen zubereiten“ sowie seine Elemente anhand der Dokumentation „Kochrezept Currywurst“ erläutern.

Einzelne Teilschritte sind die Zubereitung von Bockwürsten, Herstellung der Curry-Sauce sowie das Anrichten der fertigen Speise. Die Durchführung dieser Schritte wird durch Unterstützungsprozesse, bspw. das Einkaufen der benötigten Kücheneinrichtung und Zutaten, ermöglicht. Einzelne Prozessschritte lassen sich darüber hinaus (teil-)automatisieren (bspw. die Zubereitung der Curry-Sauce im Mixer, oder das Garen der Bockwurst im Automaten) und in- bzw. extern delegieren (z.B. durch Einkauf bereits fertiger Curry-Sauce, Anrichtung der Speise durch Küchenhelfer). Außerdem verfügt jeder Schritt über spezifische In- und Output-Elemente. Das Einkaufen benötigt das Objekt „Zutatenliste“ als Input und liefert daraufhin die Objektmenge „Zutaten“.

Analog zu unserem Kochrezept sorgt die Dokumentation eines Geschäftsprozesses für Klarheit über die darin involvierten Rollen und Aktivitäten. Ein Ziel der Modellierung kann in der Optimierung der Geschäftsprozesse durch Automatisierung von Prozessschritten oder lösen von ineffizienten Abhängigkeiten zwischen Prozessbeteiligten (z.B. durch Reduktion der Prozessschnittstellen) liegen.

In der Entwicklung von IT-Systemen dienen dokumentierte Geschäftsprozesse dazu, fachliche Anforderungen an Hard- und Software zu identifizieren und im Entwicklungszyklus entsprechend zu berücksichtigen und priorisieren. Auch das Testen von Software wird durch dokumentierte Geschäftsprozesse erheblich erleichtert, da diese System-Schnittstellen explizieren.

Weitere Anlässe für die Modellierung finden sich z.B. bei [Oesterreich2004]:

  • Produktivitätssteigerung: Automatisierung, Outsorcing
  • Änderungen im Umfeld, bspw. im Verhalten der Geschäftspartner
  • Ad-Hoc-Erfindungen und Improvisation der Prozessbeteiligten
  • Undefinierte Geschäftsprozesse (z.B. in Start-Ups)
  • Produktivitätssteigerung: Verbesserung der Time-To-Market
  • Produktivitätssteigerung: Kostensenkungen
  • Insourcing
  • „Das machen wir immer so“ – Organisatorischer und technischer Wandel
  • Synergieeffekte und Redundanzbeseitigung z.B. bei Unternehmensfusionen

Quelle(n):

  •  [Oesterreich2004] Bernd Oesterreich, Christian Weiss, Claudia Schröder, Tim Weilkiens, Alexander Lehnhardt Objektorientierte Geschäftsprozessmodellierung mit der UML dpunkt.verlag 2004

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